Von Brigitte Chaya Nussbächer
Die Gerechten der Nationen haben uns ein inspirierendes Vorbild gegeben. Doch was ist heute die konkrete Forderung der Stunde? Wie können wir in dieser Zeit ein Segen für Israel sein und damit das Versprechen „Nie wieder“ konkret erfüllen?
Das Vermächtnis und mein Beitrag
In der Nacht nach dem 7. Oktober 2023 stand das Vorbild meiner Großmutter deutlich vor meinen inneren Augen. Es war klar, dass ich nicht untätig bleiben wollte, aber ich hatte keine Ahnung, was ich tun könnte, denn ich besaß weder Einfluss noch Reichtum. Alles, was ich hatte, war ein brennendes Herz für Israel, meinen Kopf und meine Hände.
Aber in jener Nacht sagte ich zu Gott „Hineni – Hier bin ich. Bitte zeige mir, was ich für Israel tun kann.“
Und so hat alles angefangen …
Am nächsten Tag gründete ich eine internationale Gebetsgruppe „Prayer Protection Israel“, in der seither Menschen aus vielen europäischen Ländern und von den USA bis Australien, von Norwegen bis Namibia und Südafrika zusammen für Israel einstehen.

Und als Ende Oktober 2023, nur 3 Wochen nach dem schrecklichen Massaker klar wurde, dass die Weltgemeinschaft sich abwendete und auch viele Kirchen in ohrenbetäubender Stille und Teilnahmslosigkeit verharrten, sagte ich zu Gott: „Ich will nicht schweigen“.
Daraus ist in weniger als 10 Tagen der erste von uns gestaltete Israelabend am 16. November 2023 im Verlagsgebäude der SCM entstanden. Wahrscheinlich das Event mit der kürzesten Vorlaufzeit das jemals in diesem Haus stattgefunden hat und bei dem wir nicht wussten, ob 5 oder 50 Gäste kommen würden. Am Ende waren es 170.
Seither haben wir weitere Israelabende mit immer steigenden Besucherzahlen organisiert und ich habe Artikel geschrieben, die mittlerweile Tausende erreicht haben. Unsere Webseite ARC to ISRAEL ist entstanden.

Alles in unserer Freizeit. Ohne Startkapital und ohne Unterstützung. Aber mit Herz und Kopf und vielen, vielen Stunden Investition. Unsere gesamte Arbeit für Israel ist nach wie vor zu 100% ehrenamtlich. Und wir sind dankbar und staunen, was Gott daraus gemacht hat. Wir hatten kein bestimmtes Ziel und keinen Plan, aber wir haben versucht, uns von Gott führen zu lassen. Wir haben versucht zu säen – alles andere ist Gottes Segen. Ihm allein gebührt die Ehre.
Heute habe ich das Vorrecht Ihnen mein erstes Israel Buch, dass Anfang 2026 bei Hänssler erschienen ist, vorzustellen: „Israels Zerreißprobe – Die Schicksalsjahre um den 7. Oktober 2023“. Es ist Israels Geschichte der letzten sieben Jahre – aber es ist auch unsere Geschichte, erlebt in Israel.
In diesem Buch nehme ich Sie mit auf eine Reise zu den Menschen, die das aktuelle Zeitgeschehen mit Gesichtern verbindet. Die individuellen Schicksale eröffnen Ihnen Einblick in eine viel tiefere Ebene, als es die herkömmlichen Medien tun. Begleiten Sie mich und staunen Sie über ein blühendes Israel vor dem Massaker, in dem sich viele biblische Verheißungen erfüllt haben. Danach gehen wir in die verwüsteten Kibbuzim, sehen, was tatsächlich am 7. Oktober geschehen ist, und erleben, wie die betroffenen Familien ihr Leben wiederaufbauen, was sie fühlen – und wie die Ereignisse in Israel wahrgenommen werden. Authentisch. Berührend. Hoffnungsstark.

Es ist auch eine Reise in die Vergangenheit, weil ein Tiefenblick in Israels Geschichte vieles erklärt, was sonst untergeht. Im Gesamtkontext der historischen Ereignisse erschließen sich Ursachen und Zusammenhänge und es lassen sich erschreckende historische Parallelen erkennen. Spannend wie ein Krimi. Faszinierend und aufrüttelnd. Zum Schluss widmen wir uns der uralten Frage: Was hilft, über das aktuelle Geschehen hinauszusehen und die Zuversicht nicht aufzugeben? Sie können das Buch unter www.scm-shop.de bestellen.
Und das war meine eigene „Hineni-Erfahrung“ bis heute.
Fragen am Internationalen Gedenktag
Wie sehen die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft aus? Einiges davon habe ich bereits im Kapitel Antisemitismus beschrieben. Die Frage ist: Wird sie 2026 der Verbrechen der Vergangenheit gedenken, aber dabei die Verbrechen der Gegenwart ignorieren und Israel, dass darum gekämpft hat, dass sich Massaker nicht wiederholen, verurteilen?
Oder werden wir den Schmerz und das Leid wahrnehmen, dass durch diesen barbarischen Überfall ausgelöst wurde? Werden wir versuchen, das Entsetzen und die Entschlossenheit Israels, dafür zu sorgen, dass das nicht so bald wieder passiert, zu verstehen – insbesondere da die Hamas bekannt gibt, dass sie den Kampf gegen Israel fortsetzen wird.
Erinnern wir uns an den Segen, den wir durch Israel erhalten haben?
Werden wir uns daran erinnern, was wir dem jüdischen Volk alles verdanken – an die ganzen Errungenschaften? Dieses kleine Volk, dass nur 0,2 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, hat rund jeden vierten Nobelpreis, der je vergeben wurde, gewonnen. Diese Menschen haben so viel zu unserem heutigen Standard beigetragen und verdienen unseren Respekt.
Werden die Christen sich darauf besinnen, dass Jesus – ein Jude – für die, die nicht zum Volk Gottes gehörten, durch den neuen Bund den Weg zum Vater freigemacht hat? Dass sie dadurch zu „Miterben“ geworden sind und zusammen mit den Juden, den ursprünglichen Erben, auch zu Gottes Volk gehören? Dass die Juden daher ihre Brüder sind?
Werden wir den Holocaust Gedenktag dadurch mit Sinn und Wert füllen, dass wir das Erbe der Retter, der Gerechten unter den Nationen, antreten und in einer Welt des moralischen Zerfalls diejenigen sind, die einen Unterschied bewirken? Zeigen wir Israelis und jüdischen Menschen in unserer Umgebung, dass wir sie achten, lieben und dass wir zu ihnen stehen?
Sind wir diejenigen, die das Versprechen „Nie wieder“ erfüllen?
In diesen Tagen, wenn die Welt 81 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz den Holocaustgedenktag begeht, sind wir nach wie vor mit der Frage unserer eigenen Positionierung und Verantwortung konfrontiert.
Gerade jetzt, in dieser Zeit, in der der Antisemitismus den höchsten Stand seit der Schoa erreicht und Aufrufe zur Vernichtung Israels, Befürwortung von Gewalt gegen Jüdinnen und Juden, offene Unterstützung des Terrors der Hamas zur bedrückenden Normalität geworden sind, wie es Benjamin Steinitz, Geschäftsführer des Bundesverbands RIAS, zusammenfasst, ist es so wichtig einen Gegenpol zu setzen.
Der Ruf Gottes, das Volk Israel zu segnen bleibt – die Frage ist, ob wir bereit sind, „Hineni“ (hier bin ich!) dazu zu sagen! Und das ist keine einmalige Sache. Die Frage stellt sich uns jeden Tag aufs Neue. Eine neue Herausforderung, eine neue Chance – und vielleicht ein neuer ungeahnter Weg, so wie bei mir? Wer weiß, welche Talente Sie bei sich auf diesem Weg entdecken oder neu erwecken werden? Und ich weiß, dass es viel gibt, die schon lange ihr Hineni gesagt haben und aktiv leben.
Das schöne ist: Jeder kann einen Beitrag dazu leisten. Und auch heute gilt: Wer Israel segnet, wird gesegnet.

Wissen Sie, wie die letzte Halle im Museum „Friends of Zion“ heißt? The Promise (das Versprechen). Hier werden die Figuren und Geschichten aus allen vorherigen Räumen noch einmal lebendig und wiederholen ihr Versprechen „Hineni“. Und hier wird den Besuchern gezeigt, dass jeder das Potential hat, ebenfalls ein solcher Segensträger, ein Friend of Zion zu werden. Auf einmal sieht man sein eigenes Gesicht inmitten von all den anderen… sind Sie dabei?
Mehr als nur Worte
„Man muss die Dinge tun, damit sie passieren“. Dieser Spruch, das Motto meiner Familie, ja genau, der Familie meiner Großmutter, hängt bei uns an der Wand und begleitet mich mein Leben lang.
Deshalb war mir und uns von aller Anfang an wichtig, dass unser Engagement für Israel nicht nur aus Worten besteht, auch wenn diese sehr notwendig und wertvoll sein können. Und so haben wir seit dem Massaker nach Möglichkeiten gesucht und gefunden, um Menschen in Israel, die Opfer des 7. Oktober, zu unterstützen.
Wir sind Anfang 2024 in die zerstörten Kibbuzim an der Gaza Grenze gefahren und haben Verbindung mit betroffenen Familien aufgenommen. Manche Kontakte wurden uns geschenkt, der eine oder andere ist durch Zufall entstanden – Gottes Synonym, wenn er unerkannt bleiben will. Kontakte zu Menschen, die evakuiert wurden, Menschen deren Zuhause zerstört wurde und Menschen, die ihre Liebsten verloren haben. Witwen und Waisen. Geiselangehörige und Traumatisierte.
Mittlerweile sind Freundschaften zu Einzelpersonen und auch Partnerschaften mit Organisationen entstanden, über die wir vielen Menschen helfen können. Aber das sind natürlich nicht wir allein – wir werden erst befähigt durch die vielen Einzelnen, die unterstützen.
Diese Möglichkeiten, Israel ganz konkret zu segnen, möchten wir heute mit Ihnen teilen – wohl wissend, dass es auch noch sehr viele andere Wege dazu gibt und dass viele von Ihnen das längst tun. Aber diese Menschen und Projekte haben wir persönlich in Israel besucht, kennen sie und haben uns von dem Wert ihrer Arbeit überzeugt. Eine bleibende, langfristige Beziehung ist entstanden. Und die Not ist nicht vorbei, der Wiederaufbau hat zwar begonnen, doch wird noch lange dauern und viel Kraft und Investitionen erfordern.
Sigal und Hadas, die beiden Witwen mit ihren Kindern aus Nir Oz kennen manche von Ihnen schon. Wir sind seit November 2024 in Verbindung. Sie hoffen im Sommer 2026 ein neues Zuhause im Kibbuz Beit Nir zu finden. Beide wollen es ihren Kindern, die immer noch unter Angstträumen leiden, nicht mehr zumuten, so nahe an der Grenze zu wohnen. Auf unserer Website finden Sie ihre erschütternden Geschichten und Updates, die sie uns gesendet haben.



Alle Hinterbliebenen von gefallenen Soldaten und Terroropfern werden von der Organisation für Witwen und Waisen IDFWO unterstützt. Hunderte Kinder und Frauen sind nach dem Massaker und während das Krieges hinzugekommen. Die Hilfe beginnt mit der Teilnahme beim Begräbnis bis zu der Bereitstellung von Nachtschwestern, die es jungen Müttern ermöglichen, Nächte durchzuschlafen und vielen anderen praktischen Hilfeleistungen. Schwangeren Witwen werden Hebammen zur Seite gestellt, die sie bis zur Geburt begleiten. Emotionale Unterstützung, finanzielle Hilfe, Bildungsmöglichkeiten und eine Gemeinschaft, die Kraft und Halt gibt werden bereitgestellt. Die IDFWO versteht sich auch als Partner der Witwen, der mithilft, die Waisen groß zu ziehen. Besonders wertvoll sind die Otzma-Camps, wo diese Kinder mit anderen Waisen zusammenkommen. Hier können sie offen sein, hier werden sie verstanden, finden sie Freunde und langsam kommt Heilung in Gang. Auch mit dieser Organisation und ihren Leitern sind wir seit über einem Jahr in intensiver Verbindung und es gibt einen ausführlichen Bericht unter dem Namen „Das Lächeln der Hoffnung“ dazu auf unserer Webseite. Die Unterstützung der Witwen und Waisen ist unser absolutes Herzensprojekt.


Was ebenfalls noch lange dauern wird, ist die Heilung der Traumatisierten. Zivilisten, die am 7. Oktober mit ansahen, wie ihr Zuhause zerstört, wie ihre Liebsten vor ihren Augen ermordet wurden und die wieder neu lernen müssen, zu vertrauen und zu hoffen. Männer und Frauen die durch intensive Kampferfahrungen, den Verlust von Kameraden oder durch Verletzungen traumatisiert sind; die Schwierigkeiten haben, in ein normales Leben zurückzufinden und eine Brücke zurück in den Alltag suchen. Diese Menschen bekommen Hilfe in den Rimon Therapiezentren in der Negev Wüste, durch hochwertige Rehabilitationsprogramme, Traumatherapien, Resilienz-Workshops und Teambuilding Maßnahmen – eine individuelle Förderung mit maßgeschneiderten Plänen, die auch ihre Familie mit einbezieht. Wir haben hier nicht nur die Leiter und Psychologen kennen gelernt, sondern ebenso mit Menschen gesprochen, die hier Heilung erfahren. Die Zeugnisse sind absolut beeindruckend und beweisen den Wert dieser Arbeit. Auch über dieses Projekt „Oasen des Lebens“ haben wir auf unserer Website berichtet.




Manche der evakuierten Familien sind inzwischen wieder in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Doch es ist nicht mehr das Gleiche. Vor allem Gesichter fehlen. Aber auch ganz praktisch muss viel repariert oder in den meisten Fällen ersetzt werden, um die Häuser wieder bewohnbar zu machen. Auch zu diesen Familien haben wir persönliche Kontakte.
Wir alle können gerade diesen Holocaustgedenktag in einen Segen für die Lebenden verwandeln, wenn wir wollen. Jeder einzelne von uns kann „mit anpacken“, jetzt, sofort und konkret. Wir können wir damit Empathie, Solidarität und Liebe zeigen und diesen Menschen ganz praktisch helfen, ihr Leben wieder aufzubauen. Danke, dass viele von Ihnen dies bereits seit langem tun. Ihre Beiträge haben schon viel bewirkt. 1000 Dank im Namen aller Empfänger dafür! Ihre Unterstützung wird nie vergessen werden!
Wir sind privilegiert: wir müssen heute keine Juden unter Lebensgefahr für uns selbst retten. Wir haben es leichter. Und dennoch können wir einen entscheidenden Unterschied bewirken. Denn jede Spende ist nicht nur eine praktische Hilfe, sie ist auch ein Balsam für die Seelen der Empfänger. Viele Menschen in Israel sind völlig schockiert von den Hasswellen, die sie in den Medien sehen. Beweisen wir ihnen (auch weiterhin!), dass es Menschen gibt, die bereit sind, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten zu ihnen zu stehen. Die das Versprechen „Nie wieder!“ ernst nehmen und die verstehen, dass dies Versprechen nicht den Toten gilt – sondern den Lebenden!
Sie erinnern sich an mein Bild vom Anfang: den Lebenden Blumen überreichen? Das sind Ihre Blumen. Und das kann heute Ihre ganz persönliche Umsetzung des Versprechens: „Nie wieder!“ sein.





Wir geben Segen and die Menschen in Israel weiter. Fotos privat
Wer sich beteiligen möchte, kann gerne via Paypal oder auf das Bankkonto unseres Vereins ARC to ISRAEL überweisen – und erhält natürlich eine Spendenbescheinigung. (ARC to Israel ist ein gemeinnütziger Verein und Spenden sind steuerlich absetzbar). Alles, was mit dem Vermerk „Nie wieder“ eingeht, werden wir zu 100% investieren, um diese Menschen zu segnen: mit konkreter Hilfe, mit Empathie und mit Liebe!
Wir werden vom 12-23 April 2026 wieder in Israel sein, um die Hilfe persönlich zu überbringen. Wir werden diese Menschen, deren Freunde wir geworden sind und diese Organisationen, die wir inzwischen Partner nennen, besuchen. Darauf freue ich mich schon jetzt. Und selbstverständlich werden wir im Nachgang auf unserer Website darüber berichten.
Was wir tun, ist zu säen: für Gottes Volk – als einen Gottesdienst. Wir säen auf die Trümmer der zerstörten Kibbuzim, auf den Boden, in den das Blut versickert ist und in die gebrochenen Herzen der Betroffenen. Und wir vertrauen darauf, dass Gott diese Samen segnet und daraus Resilienz und ein starke Zukunft entstehen lässt. Es ist eine Neuauflage der uralten, sich wiederholenden Geschichte Israels: aus Asche und Ruinen neu aufzustehen und am Ende über noch mehr innere Kraft, Hoffnung und Lebensmut zu verfügen.
In diesem Sinne für die Lebenden! Am Israel Chai!
Copyright © Brigitte Chaya Nussbächer
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