Gebet und Fürbitte – wie können wir für Israel biblisch basiert eintreten? (Rosemarie Stresemann und Eva Axnich)

Von Herz zu Herz beten

Der Vortrag stellt eine bewusste Abkehr von rein verstandesgeleiteten, strategischen oder „gewohnten“ Gebetswegen dar. Die bekannten Formen des Gebets werden mit „Autobahnen“ verglichen – vertraut, korrekt, sicher. Doch der Heilige Geist betont heute neu die Dimension des Herzens.

1. Gebet beginnt im Herzen

Wirksames Gebet entsteht nicht aus religiöser Richtigkeit oder theologischer Exaktheit, sondern aus einem vom Heiligen Geist durchdrungenen Herzen.

Es gibt einen hörbaren Unterschied zwischen:

  • einem Gebet, das nur verstandesmäßig korrekt ist
  • und einem Gebet, das aus dem Herzen kommt.

Selbst gleiche Worte können einen völlig unterschiedlichen „Klang“ tragen – sachliche Richtigkeit oder Herzenswärme.

Beispiel: Psalm 22 („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“) Ein bloß zitiertes Wort ist etwas anderes als ein Wort, das aus existenzieller Herzensverbundenheit gebetet wird – wie bei Jesus.

2. Drei Wege des Gebets

Der Vortrag unterscheidet drei Formen:

Gebet von außen

  • rein aus Information oder Wahrnehmung gespeist
  • bleibt dem Herzen fern

Gebet mit Verbindung

  • äußere Wahrnehmung verbindet sich mit dem, was im Herzen lebendig ist

Gebet von innen nach außen

  • das Herz nimmt wahr, was es beten will
  • der Verstand hilft lediglich bei der Formulierung

Der entscheidende Punkt:

Der Weg soll umgekehrt sein – nicht vom Verstand ins Herz, sondern vom Herzen durch den Verstand.

3. Gott wirkt das Gebet in uns

Gebet wird wirksam, wenn es „durch Gott hindurchgegangen“ ist. Gott selbst wirkt das Wollen und Vollbringen – im Herzen.

Das betrifft auch das Gebet für Israel.

Die Frage lautet:

Vertrauen wir darauf, dass Gott selbst in unseren Herzen die passenden Gebete wirkt?

Ein Ausdruck dieses Herzensgebets kann die Zungenrede sein – das Herz betet in seiner eigenen, von der Liebe geprägten Sprache.

4. Die Grundlage: Die ausgegossene Liebe Gottes

Zentral ist die biblische Wahrheit:

Die Liebe Gottes ist durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen.

Das bedeutet:

  • Jesus wohnt bereits mit seiner ganzen Liebe im Herzen.
  • Diese Liebe muss nicht produziert oder bewiesen werden.
  • Gebet ist keine Leistung, sondern Beziehung.
  • Angst, Sorge oder Leistungsdruck dürfen nicht das Gebet bestimmen.
  • Gebet ist ein Eintreten in die bereits bestehende Herzensverbindung mit Jesus.

5. Die Rolle der Bibel

Das Wort Gottes richtet sich zuerst an das Herz (Beispiel: Maria bewahrte die Worte in ihrem Herzen).
Es soll dort eine Antwort hervorbringen – Vertrauen, Liebe, Hingabe.

Bibelverse können:

  • zur Dankbarkeit führen
  • die Gegenwart der Liebe im Herzen bewusst machen
  • helfen, Gottes Herz für Israel wahrzunehmen

6. Unterschiedliche Ausdrucksformen des Herzens

Die Liebe Gottes fließt durch jedes Herz unterschiedlich. Daher kann sich Gebet verschieden ausdrücken:

  • Weinen
  • tiefes Vertrauen in Gottes Bündnisse
  • Freude über seine Gnade
  • Lachen über Gottes Sieg
  • Last und Fürbitte
  • Barmherzigkeit im Blick auf Gericht

Leitfragen können sein:

  • Was bewegt mein Herz wirklich?
  • Welche Last legt Gott mir aufs Herz?
  • Welche Ebene des Vertrauens ruft er in mir wach?
  • Was möchte ich seinem Herzen anvertrauen?

Kernaussage des Vortrags

Gebet ist keine geistliche Strategie und keine religiöse Pflichterfüllung. Es ist ein Geschehen von Herz zu Herz.

Nicht der Verstand ist die primäre Informationsquelle des Gebets, sondern die in uns ausgegossene Liebe Gottes. Der Verstand darf das formulieren, was das Herz – vom Heiligen Geist bewegt – bereits trägt.

Ziel ist es, so zu beten, dass Gottes Herz berührt wird – weil wir aus seinem Herzen heraus beten.