Gebets- und Strategiekonferenz vom 5. bis 8. November 2025 in Berlin

Vom 5. bis 8. November 2025 kamen über 300 Israelfreunde aus ganz Deutschland zum Gebet und zur Planung von strategischen Kooperationen in Berlin zusammen. Tagungsort war das Gemeindezentrum der EFG in Berlin-Schöneberg.
 
ZEITENWENDE – in diesen Jahren werden wir mit rasanten Veränderungen in allen Teilen der Gesellschaft konfrontiert. In dieser Periode hat der Hass auf Juden weltweit enorm zugenommen. Um so bedeutungsvoller ist das Engagement von Christen – die mit Wort und Tat an der Seite Israels stehen.
 
ZEITENWENDE KONFERENZ – Neben dem täglichen Gebet, fanden 10 verschiedene Workshops und mehrere Plenumsveranstaltungen mit Sprechern aus Deutschland und Israel statt. Veranstalter war das Netzwerk „Christliches Forum für Israel in Deutschland“ CFFI – gemeinsam mit der TOS Tübingen und der ICEJ Deutscher Zweig – sowie weiteren NGO’s und Gemeinden aus Deutschland. 
 
ZEITENWENDE – WIE GEHT ES WEITER? In einem Grußwort der israelischen Botschaft in Deutschland – wurde eine große Wertschätzung gegenüber den Christlichen Israelfreunden ausgedrückt. Diese Gebets- und Strategietagung in Berlin wird kein Event bleiben – sondern weiter Kreise ziehen: Ja, es gibt sie – Christliche Kirchen und Gemeinden – und Christliche Werke – die fest an der Seite Israels und der jüdischen Freunde stehen! 
 
ZEITENWENDE RESSOURCEN – Unter der nachfolgenden Email können Beiträge aus der ZEITENWENDE KONFERENZ in unserem CFFI Büro angefordert werden: info@cffi-deutschland.de (Nur zum persönlichen Gebrauch) 
 
Hier auf der Website des CFFI werden weitere Berichte, Fotos und Videoclips veröffentlicht werden. 

Die Zeitenwende-Workshops in der Übersicht und Zusammenfassung

„Der eine neue Mensch“ (Eph 2) – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit (Moderation: Harald Eckert, CFFI-Vorstand)

Epheserbrief, Kapitel 2:

„Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften, und um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte. Und er kam und verkündigte Frieden euch, den Fernen, und den Nahen; denn durch ihn haben wir beide den Zutritt zu dem Vater in einem Geist.“

Am 7.11.25 fand im Rahmen der CFFI-Zeitenwendekonferenz am ersten Workshop-Nachmittag der Workshop „Der eine neue Mensch“ statt. Teilnehmer waren Asher Intrater (Jerusalem), Ariel Blumenthal (Jerusalem), Martin Fritzsch (Zwickau), Vladimir Pikman (Berlin). Moderator war Harald Eckert.

Die obige Bibelstelle aus dem Epheserbrief des Paulus war die Überschrift und die Mitte das Austauschs, der über etwa 2 Stunden ging. Zusammenfassend und im Rückblick gab es folgende inhaltliche Schwerpunkte:

Zeugnisse: Alle Gesprächspartner schilderten Passagen ihrer Biografie und an welchen Punkten ihnen die Offenbarung zum „einen neuen Menschen“ bewusster geworden und tiefer ins Herz gedrungen ist. Martin Fritzsch erzählte von Erfahrungen im Ringen um Einheit als Mitglied einer vorwiegend messianischen Gemeinde. Ariel Blumenthal erzählte von einigen Kernimpulsen, die ihn dazu veranlasst hatten, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben. Es wurde ein sehr lebendiges, authentisches Gespräch.

Theologisches: Im Mittelpunkt der theologischen Überlegungen stand die Kirchengeschichte. Über den größten Teil der Vergangen 2000 Jahre mussten sich Juden von ihrem Judentum lossagen, wenn sie Teil der christlichen Kirche werden wollten. Heute erleben die Mehrzahl der messianischen Juden ihren Glauben als Jesus den Messias als die Krone und Erfüllung ihrer jüdischen Identität. Gleichzeitig wurde betont, dass es einen gereiften Charakter braucht, um in gegenseitiger Wertschätzung nicht zwischen Überheblichkeit und Minderwertigkeit die Kraft des Kreuzes und eines in Christus verborgenen Lebens zu verleugnen. Einheit in Unterschiedlichkeit war der gemeinsame Nenner.

Praktisches: Zusammenarbeit in konkreten Berufungen, Projekten und Aufgaben war für alle der Schlüssel zum Wachstum in das Geheimnis und die Vollmacht des „einen neuen Menschen“. Wichtiger als intellektuelle Erkenntnis ist die alltägliche Praxis. Als Problem wurde benannt, dass viele Christen aus der Völkerwelt wenig bis keine Gelegenheit haben, mit messianischen Juden konkret zusammenzuarbeiten.

Zusammenfassend war es ein sehr lebendiger, ehrlicher und inspirierender Austausch. Die Leitung des CFFI hat sich vorgenommen, die Beziehung zu und Zusammenarbeit mit den Vertretern des messianischen Netzwerkes TIKKUN, besonders in Israel und in Europa fortzusetzen und möglichst zu vertiefen. (Genau dies erfolgt seit der Konferenz auf verschiedenen Ebenen. Unter anderem auf einer Europa-Konferenz in Brüssel am 13./14.3.26; weitere Informationen: …)

Israel in den Medien – zwischen Information und Manipulation. (Carmen Shamsianpur, TOS, Tübingen)

Nicht erst seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 legen Medien und Organisationen einen doppelten Standard an Israel an. Mit der Fülle der Berichterstattung wurden in den vergangenen zwei Jahren die falschen Narrative von Israel als „Kolonialmacht“, „Apartheidsregime“ und „Völkermörder“ weiter verbreitet. Die Sozialen Medien unterstützen den Trend. Diese Doppelmoral erkennen, widerlegen und richtigstellen zu können – darum ging es in einem der zweiteiligen Workshops beim Zeitenwendekongress 2025.

Ein paar Schlaglichter:

  • Allein der gebräuchliche Begriff „Gaza-Krieg“ ist irreführend, weil er ausblendet, dass auch in Israel Krieg war. Hätte Israel nicht gleich zu Beginn Hunderttausende Israelis aus Kriegsgebieten evakuiert, sondern sie nach dem Vorbild der Islamisten sogar an der Flucht gehindert, wären allein im Norden des jüdischen Staates Zehntausende gestorben.
  • KI-Chatbots wie Chatgpt behaupten auf Nachfrage zunächst, Israel begehe einen Genozid am palästinensischen Volk. Fragt man genauer nach, ermittelt der gleiche Chatbot anhand von Fakten, dass der Vorwurf abwegig ist. Nie hat es in einem vergleichbaren Konflikt mit urbaner Kriegsführung so wenig zivile Tote im Verhältnis zu getöteten Kombattanten gegeben. Nie wurde so viel investiert und riskiert, um Zivilbevölkerung auf feindlichem Gebiet zu schützen. Am Ende erklärt die KI selbst ihre anfängliche Fehleinschätzung: Weil sie nicht zuerst aufgrund von Fakten antworte, sondern aufgrund der mehrheitlichen Einschätzung sogenannter „Menschenrechtsorganisationen“, die wiederum Israel mit Doppelmoral begegnen.
  • Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man sich informieren kann. Neben hochwertigen christlichen Anbietern, die mit Ständen auf dem Kongress vertreten waren, sind unter anderem folgende Seiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten einen Besuch wert: mena-watch.com, mideastfreedomforum.org, auf Englisch memri.org, palwatch.org, impact-se.org.
  • Es liegt in der Verantwortung eines jeden Einzelnen, niemals das Ende der Informationskette zu sein. Während Israelfeinde von früh bis spät ihren Hass versprühen, sind Israelfreunde zurückhaltender. Lasst uns im neuen Jahr Antisemitismus nicht nur beobachten, sondern bekämpfen, Informationen nicht nur konsumieren, sondern weitergeben, Veranstaltungen für Israel nicht nur besuchen, sondern selbst organisieren! Lasst uns in unseren Leserbriefen und Postings freundlich, aber klar und laut sein! Lasst uns bei proisraelischen Demonstrationen friedlich, aber zahlreich und furchtlos sein!

Carmen Shamsianpur ist Islamwissenschaftlerin, Historikern und Israelbeauftragte des internationalen TOS Werks. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern bei Tübingen. Kontakt: carmen.shamsianpur@gmail.com

Israel in Schulen und Hochschulen – wie können Lehrer und Eltern enger zusammenarbeiten? (Marina und Daniel Müller – Zeugen der Zeitzeugen, Vorstand)

Am 6.11.2025 durften Daniel und ich einen dreistündigen Workshop zum Thema „Antisemitismus an Schulen und Universitäten“ in einer Berliner Gemeinde halten. Durch eine kurze Vorstellungsrunde erfuhren wir, dass Hochschullehrer, Lehrkräfte und interessierte (Groß-)Eltern sowie eine Oberstufenschülerin zum Publikum gehörten. Schon während unseres Vortragteils ließen wir Raum für Rückfragen und bezogen die Zuhörerschaft durch die Analyse von Fotos und Karikaturen aktiv mit ein, um sie dafür zu sensibilisieren, was alles unter den Bereich Judenhass fällt und wo dieser – bei jungen Menschen v.a. in den Sozialen Medien – häufig unwidersprochen heranwächst. Im Frageteil unserer Veranstaltung standen folgende zwei Themenkomplexe im Vordergrund: Erfahrungen mit Biographiearbeit und dem konkreten Umgang (v.a. Kontern & empfohlenen Konsequenzen) im Erleben von Antisemitismus. Wir sind dankbar für den gelungenen Austausch und hoffen, dass unsere „Best Practice“- Beispiele in dieser Runde einige Nachahmer finden. Übrigens haben wir mit dieser Veranstaltung einen neuen Meilenstein in der ZdZ-Geschichte erreicht, denn an diesem Nachmittag haben wir die Marke der 10.000 live erreichten Menschen „geknackt“.

Deutschland und Israel in der Geschäftswelt (Hermann Schneider, ICCC Int. Vorstand)

An der Zeitenwendekonferenz Anfang November in Berlin fand ein Workshop statt, wie man die Geschäftsbeziehung zwischen Israel und Deutschland und den anderen internationalen Ländern fördern kann. Dazu kam eine interessante Gruppe zusammen.

Wir standen im Austausch über dieses Thema und auch im Gebet.

Im Workshop wurde ein Projekt vorgestellt: das ‚International Trade & Knowledge Center based in Jerusalem‘, das ITKC. Es ist im Aufbau befindlich und bietet eine Möglichkeit Handel und die Innovationen von Israel in die Nationen zu bringen und auch Handelsmöglichkeiten von den Nationen zu Israel zu ermöglichen. Gerade in der heutigen Zeit von BDS und Antisemitismus ist das eine ganz wichtige Initiative. Der Fokus ist hierbei nicht nur auf Deutschland, sondern auch basierend auf Kontakten von den Initiatoren in andere Länder weltweit hinein. Das gibt interessante Perspektiven der Zusammenarbeit. In der Zwischenzeit seit dem Workshop haben sich viele interessante Beziehungen im Leib Christi und in verschiedene Organisationen, sowie nach Israel hinein ergeben.

Im Workshop haben wir gemerkt, dass Gott seine Freude und seine Gnade auf das Projekt gibt. Wir haben eine lose Kontaktgruppe gebildet und es gab bereits hilfreichen Austausch. Interessierte Unternehmer, aber auch interessierte Kirchen und christliche Geschäftsleuteorganisationen können sich mit CFFI in Verbindung setzen, um mehr zu erfahren, sich zu vernetzen und Israel konkret zu fördern.

Gebet und Fürbitte – wie können wir für Israel biblisch basiert eintreten? (Rosemarie Stresemann und Eva Axnich)

Text kommt bald

Podiumsgespräch „Ortsgemeinde und Israel – heißes Eisen oder heilsame Verbundenheit?“ (Moderation: Winfried Rudloff, CFFI-Vorstand)

Text kommt bald

Eine junge Generation an der Seite Israels – Vision und Praxis (Stefan Lepp, Mühle Weinstadt, Simon Schauer, Junge CSI)

Text kommt bald

Völkerrecht und Israel – zwischen Fakten und Fiktion (Moderation: Matthias Böhning, Initiative 27. Januar)

Im Rahmen der Gebets- und Strategiekonferenz „Zeitenwende Deutschland–Israel“ (5.–8. November 2025) in Berlin fand am Freitagnachmittag der Workshop „Völkerrecht und Israel – zwischen Fakten und Fiktion“ statt. Die Konferenz wurde vom Christlichen Forum für Israel e.V. (CFFI) gemeinsam mit der ICEJ (deutscher Zweig) und TOS Dienste Deutschland veranstaltet. Sie verstand sich als geistliche wie strategische Plattform, um die deutsch-israelischen Beziehungen vor dem Hintergrund zunehmender antisemitischer Tendenzen neu zu reflektieren.

Der Workshop griff dabei ein hochaktuelles Spannungsfeld auf: Wie ist Israels Handeln völkerrechtlich einzuordnen – und wo vermischen sich juristische Argumente mit politischen Narrativen? In drei gleichgewichtigen Beiträgen beleuchteten Daniel Schuster (IHRA-Definition), Matthias Böhning (Israel und die UNO) sowie Prof. Dr. Wolfgang Bock (Völkerrecht) unterschiedliche Dimensionen derselben Kernfrage: Wie unterscheiden wir Fakten von Fiktionen?


1. Daniel Schuster: Die IHRA-Definition – Orientierung im Diskurs

Daniel Schuster stellte die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) vor, die 2016 verabschiedet wurde und inzwischen von 46 Staaten – darunter Deutschland – offiziell anerkannt ist.

Zentrale Erkenntnisse

1. Die IHRA-Definition ist verhaltensbezogen.
Sie versteht Antisemitismus nicht ontologisch, sondern pragmatisch: als „bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden“, die sich in Hass äußern kann. Ziel ist nicht eine philosophische Gesamterklärung, sondern ein alltagstaugliches Erkennungsinstrument.

2. Israelbezogener Antisemitismus wird mitgedacht.
Ein kontrovers diskutiertes Beispiel ist das „Aberkennen des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung“, etwa durch die Behauptung, die Existenz Israels sei ein „rassistisches Unterfangen“.
Hier setzt die IHRA-Definition bewusst an, weil moderner Antisemitismus sich häufig im Gewand radikaler Israelkritik äußert.

3. Abgrenzung zur Jerusalemer Erklärung (JDA).
Die JDA definiert BDS-Kampagnen, Apartheid-Vergleiche oder die Forderung nach einem nicht-jüdischen Staat explizit als „an sich nicht antisemitisch“.
Schuster argumentierte, dass diese Engführung dazu führen könne, antisemitische Motive zu übersehen, wenn sie hinter politischen Forderungen verborgen bleiben.

4. Differenzierung zwischen Kritik und Delegitimierung.
Wichtig war Schusters Hinweis: Kritik an Israel, „die mit der an anderen Ländern vergleichbar ist“, ist ausdrücklich nicht antisemitisch. Entscheidend ist die Frage nach Doppelstandards, Dämonisierung und Delegitimierung.

Der Vortrag schuf damit eine begriffliche Grundlage für die folgenden Beiträge: Ohne präzise Definitionen bleibt jede völkerrechtliche Debatte unscharf.


2. Matthias Böhning: Israel und die UNO – strukturelle Schieflagen?

Matthias Böhning analysierte das schwierige Verhältnis zwischen Israel und den Vereinten Nationen und arbeitete historische sowie statistische Aspekte heraus.

Zentrale Erkenntnisse

1. Unverhältnismäßige Resolutionen gegen Israel.
Zwischen 2015 und 2023 wurden deutlich mehr Resolutionen gegen Israel verabschiedet als gegen alle anderen Staaten zusammen. Diese Disproportionalität deutet auf strukturelle Mehrheitsverhältnisse innerhalb der UN hin.

2. Historische Wurzeln.
Die Resolution „Zionismus ist Rassismus“ (1975) markierte einen Wendepunkt in der internationalen Delegitimierung jüdischer Selbstbestimmung. Gleichzeitig wurde daran erinnert, dass Israels Staatsgründung 1947/48 maßgeblich auf einer UN-Entscheidung beruhte – ein ambivalentes Verhältnis von Gründungshilfe und späterer Kritik.

3. UN-Menschenrechtsrat und Agenda-Item 7.
Israel ist das einzige Land mit einem ständigen Tagesordnungspunkt im UN-Menschenrechtsrat. Diese institutionelle Sonderbehandlung wird von Kritikern als strukturelle Voreingenommenheit interpretiert.

4. Rolle der NGOs.
Berichte internationaler NGOs wie Amnesty International oder Human Rights Watch prägen den globalen Diskurs stark. Mediale und politische Narrative bauen häufig auf diesen Berichten auf – wodurch Bewertungen Israels vorstrukturiert werden.

Der Kern seines Beitrags: Internationale Institutionen sind keine neutralen Räume, sondern spiegeln politische Mehrheiten und Machtkonstellationen wider. Wer über Völkerrecht spricht, muss auch über institutionelle Rahmenbedingungen sprechen.


3. Prof. Dr. Wolfgang Bock: Völkerrecht zwischen Gutachten und Realität

Prof. Bock nahm die juristische Perspektive ein und analysierte zentrale Streitfragen des internationalen Rechts.

Zentrale Erkenntnisse

1. Unterschiedliche Rechtsmeinungen sind kein Rechtsbruch.
Das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2004 zur Sperranlage steht einer differenzierten Rechtsprechung des israelischen Obersten Gerichts gegenüber. Völkerrechtliche Bewertungen sind oft Auslegungsfragen – keine binären Wahrheiten.

2. Selbstbestimmungsrecht und Staatlichkeit.
Das Selbstbestimmungsrecht bedeutet nicht automatisch einen Anspruch auf einen eigenen Staat. Hier kollidieren juristische, politische und kulturelle Argumentationslinien.

3. Zwei-Staaten-Lösung und Realpolitik.
Rechtliche Modelle sind ohne Berücksichtigung der politischen Kultur vor Ort nicht tragfähig. Friedensordnungen setzen gesellschaftliche Voraussetzungen voraus.

4. Medien und juristische Verkürzungen.
Komplexe völkerrechtliche Sachverhalte werden in der öffentlichen Debatte häufig stark vereinfacht – was zu moralischen Absolutsetzungen führt.

Bocks Fazit: Völkerrecht ist kein moralischer Schlagstock, sondern ein differenziertes Instrumentarium, das historische Kontexte und Sicherheitsrealitäten berücksichtigen muss.


Gemeinsame Leitgedanken des Workshops

Über alle drei Beiträge hinweg kristallisierten sich vier Kernthemen heraus:

  1. Begriffliche Klarheit ist Voraussetzung für sachliche Debatten.
  2. Internationale Institutionen sind politisch geprägt.
  3. Völkerrechtliche Bewertungen sind häufig Auslegungsfragen.
  4. Delegitimierung jüdischer Selbstbestimmung bleibt ein Kernproblem moderner Debatten.

Der Workshop zeigte eindrücklich: Fakten existieren – aber sie stehen in einem Feld konkurrierender Narrative.


Nächste Schritte – Wie geht es weiter?

Aus der Diskussion ergaben sich konkrete Arbeitsaufträge:

1. Bildungsarbeit vertiefen

  • Schulungsangebote zur IHRA-Definition in Gemeinden, Hochschulen und Multiplikatorenkreisen.
  • Bereitstellung komprimierter Argumentationshilfen zu UN-Resolutionen und völkerrechtlichen Fragen.

2. Juristische Kompetenznetzwerke stärken

  • Aufbau eines Netzwerks von Juristen, die komplexe Fragen öffentlich verständlich einordnen.
  • Monitoring internationaler Entwicklungen (ICJ, ICC, UNHRC).

3. Kommunikationsstrategien verbessern

  • Medienkompetenztraining für Christen und Israel-Freunde.
  • Sachliche, faktenbasierte Gegenrede bei Verzerrungen.

4. Internationale Kontakte pflegen

  • Dialog mit Partnern in Israel.
  • Begegnungen vor Ort, um jenseits abstrakter Debatten konkrete Realitäten kennenzulernen.

5. Gebet und geistliche Verankerung

Im Sinne der Konferenz blieb auch die geistliche Dimension zentral: Strategisches Handeln und geistliche Verantwortung gehören zusammen.


Fazit

Der Workshop „Völkerrecht und Israel – zwischen Fakten und Fiktion“ bot keine einfachen Antworten – wohl aber differenzierte Perspektiven. Er machte deutlich, dass juristische, politische und moralische Argumente sorgfältig unterschieden werden müssen.

In einer Zeit zugespitzter Debatten wurde hier nicht polarisiert, sondern präzisiert. Und genau das ist vielleicht der wichtigste Beitrag: den Raum für sachliche, faktenbasierte und zugleich verantwortliche Auseinandersetzung offen zu halten.

Israel und die „Deutsche Staatsräson“ – was geht das uns Christen an? (Karin Heepen, Bündnis C)

Es war ein außenpolitisches Leitprinzip der BRD seit 1949 und eine überparteiliche Konstante der deutschen Politik, dass Deutschland eine historische Verantwortung für die Existenz des jüdischen Staates und seine Verteidigungsfähigkeit hat. Der BegriI der »Staatsräson« bringt das Bewusstsein zum Ausdruck, dass die Sicherheit Israels zugleich im nationalen Interesse Deutschlands ist. Der Vortrag verdeutlichte, wie das Bewusstsein für die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel in den letzten 20 Jahren unterwandert und die Sicherheit des jüdischen Staates aus dem nationalen Interesse verdrängt wurde. Aus Demut und Schuldbewusstsein wurde zunehmend Anmaßung, die israelische Politik zu bewerten und zu kritisieren. Mit dem Drängen auf eine Zwei-Staaten-Lösung, dem Atomdeal mit dem Iran und der Finanzierung von UNRWA stärkte die deutsche Politik die Feinde Israels. Mit seinem Abstimmungsverhalten in der UN bringt sich Deutschland als Freund Israels ins Aus. Und das WaIenembargo im August 2025 schwächte maßgeblich Deutschlands Stimme für Israel in der EU.

In der Diskussion mit den Teilnehmern des Workshops bildeten sich drei Gebetsgruppen mit den Schwerpunkten:

  • Israel-Gebetskreise für unsere politische Führung in den Kirchen und Gemeinden
  • Als Christen hörbar und sichtbar werden für die Politik und in den Medien
  • Initiierung eines Jerusalem Prayer Breakfast in Berlin.

Abschließend betete die Gruppe für eine neue Generation junger Christen, die Politik biblisch fundiert denken und Verantwortung für unser Land und für Israel übernehmen. Wo als Begründung für die Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson unsere historische Verantwortung nicht mehr zählt, zählt zunehmend nur noch die biblische Begründung für die heilsrelevante Stellung Israels in der Weltgeschichte und für unser Schicksal als deutsche Nation. Als Christen tragen wir die Verantwortung, dass Deutschland Segen und Fürsprecher für Israel ist gegen den Rest der Welt.

Von einigen der Teilnehmer wurde im Nachgang vor allem das Interesse an einem Jerusalem Prayer Breakfast in Deutschland bekräftigt. Dieses Anliegen wird weiterverfolgt und dafür Kontakte gesammelt.

Die Präsentation zum Vortrag ist unter https://buendnis-c.de/israel-und-die-deutschestaatsraeson-2-6867/ abrufbar.

Karin Heepen

Nationale Berufung und nationale Buße (Harald Eckert, CFFI-Vorstand)

Nach einer Vorstellungsrunde wurde ein großer heilsgeschichtlicher Bogen gespannt hinsichtlich des gesamtbiblischen Kernbestandes zu „Israel und die Völkerwelt“. Von der Berufung Abrahams mit Segen und Fluch (1. Mose 12), über die Endzeitlehre Jesu zu Schafnationen und Bocknationen (Matthäus 25), bis hin zu endzeitlichen Gericht über die Hure Babel und den in dieser Epoche antisemitisch und antichristlich (durch das „Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ – s. 2. Thess 2, bes. Vers 7) hoch vergifteten Völkern unter ihrem Einfluss bei der Wiederkunft Jesu (Offenbarung 19).

Die Eskalation derartiger Entwicklungen lassen sich aktuell im Weltgeschehen zunehmend drastisch beobachten.

Die Berufung a (ller Völker ist es ein Segen für Israel zu sein, genauso, wie es die Berufung Israels ist, ein Segen für alle Völker zu sein. Eine Untersuchung der nationalen Geschichte, wie auch der Kirchengeschichte legt offen, welches Volk eher ein Segen oder eher ein Fluch für das jüdische Volk und für Israel war. Dabei schneiden die meisten europäischen Völker, allen voran das deutsche Volk, in der Gesamtabwägung erschreckend schlecht ab.

Auf den Hintergrund dieses Versagens sowohl innerhalb der Christenheit wie auch der von der Christenheit stark beeinflussten Nationen wäre eine nationale Buße, eine Buße auf kollektiver Ebene, die Teil des kollektiven Gedächtnisses und Teil der kollektiven Früchte der Buße (= Taten) Teil der Rückkehr zur eigentlichen Berufung des deutschen und der europäischen Völker gewesen. Die Gemeinde Jesu war gerufen, diesen Weg zu bahnen, mit gutem Beispiel voranzugehen und der Nation den Weg zu weisen. Dies war jedoch nur ein (oft heldenhaften!) Ausnahmefällen der Fall. Auf breiter Ebene blieb dieser Läuterungs- und Reinigungsprozess in den Kirchen und den Gesellschaften Europas eher aber nicht durchgreifend.

Inzwischen, seit der Staatsgründung Israels (1948) und der Wiedervereinigung Jerusalems (1967) ist Gottes Bündnistreue zu Israel gemäß dem biblischen Zeugnis mehr als offensichtlich. Doch immer noch scheiden sich an Israel, besonders an Jerusalem, die Geister. In der Gemeinde Jesu und in der breiteren Gesellschaft. Was hindert eine nationale Buße? Was hindert die Gemeinde Jesu, in diese Richtung voranzugehen und Wege zu bahnen? Darüber wurde in der Gruppe ausgetauscht und abschließend auch dafür gebetet.